News

Interview mit Nicole Brandes

von Alexandra Frei

Manager im Businessanzug, mit Köfferchen und hohen Salären ‒ ist an diesem Klischee etwas dran?

Natürlich hat ein Klischee immer einen wahren Kern. Der Businessanzug ist in bestimmten Bereichen Berufsbekleidung und das Salär ist je nach Industrie unterschiedlich. Wichtig in diesem Kontext ist, wie Manager den Herausforderungen der digitalen Transformation begegnen und wie gut sie Menschen mit ins Boot nehmen. Im Hype der Technologisierung wird das Digitale bald zum Standard werden. Es geht also künftig vielmehr darum, was wir nicht digitalisieren. Das setzt ein neues und viel weiteres menschliches Verständnis voraus. Das ist enorm anspruchsvoll und geht weit über Status und Fachexpertise.

Um Geld zu sparen, bauen die Grossbanken das mittlere Management radikal ab. Ist Manager ein Auslaufmodell?

Ob ein Unternehmen ein mittleres Management braucht oder nicht, hängt im Wesentlichen von seiner Struktur ab. Dass die Digitalisierung und künstliche Intelligenz auch vor «White Collar» Jobs nicht Halt macht, ist bekannt. Um zukunftsfit zu bleiben, müssen sich also nicht nur Organisationen, sondern auch wir Menschen transformieren. Gefragt sind Führungskräfte, die neben Prozessen optimieren heute noch viel stärker Menschen abholen können, die in kritischen Lagen führungsstark sind und die im Alltag neben einer Execution-Kultur auch ein Klima der Kollaboration und Exploration schaffen. Lernen und lernen zu lernen und daraus Kontext und kreative Lösungen zu entwickeln werden zu entscheidenden Erfolgsfaktoren.

Wo liegen Gefahrenherde bei der Karriereentwicklung von Managern?

Dass der Fokus zu sehr auf der Fachexpertise liegt. Künftig werden wir ein breiteres Spektrum an unterschiedlichsten Fähigkeiten haben müssen, damit wir es mit den Maschinen aufnehmen können: Entdeckergeist und Kreativität, die Fähigkeit Bedeutungsvolles von Unbedeutendem zu unterscheiden, ethisches Denken und Handeln, auch gesunder Menschenverstand – Maschinen wissen nicht, dass Wasser nass ist und man Schnüre nicht schieben kann. Und als wichtigste Basis braucht es die Selbstkompetenz. Wir werden ausgebildet erfolgreich aber nicht erfüllt zu sein. Aber genau von da kommt die Kraft. Je mehr Unsicherheit und Volatilität wir im Aussen erleben, desto zentraler wird die Kunst, innere Sicherheit und Stabilität zu entwickeln.

Welches sind Ihre Herzensanliegen in Ihrer Arbeit als Managementcoach?

Menschen und eben diese starke Selbstführung. Mein Anliegen und meine Arbeit besteht darin, mit Führungskräften die eigenen Kräfte zu mobilisieren, ihre eigenen Handlungsprinzipien zu erkennen und ihre persönliche Philosophie zu entwickeln, so dass sie aus einer Position der Kraft, Kontrolle, Freude und Lebendigkeit heraus agieren. Nicht die äusseren Kräfte bestimmen, sondern sie selbst. Das ist sehr mächtig. Sie können so viel besser sich selbst führen und andere Menschen erreichen und inspirieren.

Wie sieht der Manager der Zukunft aus?

Zunächst einmal hoffe ich, dass immer mehr Manager Frauen sind. Sie sind wichtig und wertvoll für Führungsteams und Firmen. Wir verschenken dieses Potenzial noch viel zu sehr. Manager der Zukunft müssen fast Superhelden sein, weil ihnen auf allen Ebenen enorm viel abverlangt wird. Sie müssen die grossen treibenden Kräfte im Blick haben und über hohe adaptive und flexible Fähigkeiten verfügen um den Wandel zu gestalten. Sie müssen fachlich top sein und gleichzeitig verstehen, was Menschen antreibt. In Zeiten der Hyperindividualisierung und Globalisierung gewinnen wir nur im Business, wenn wir erst Menschen gewinnen. Das ist nicht einfach! Und er / sie verfügt über eine hohe Selbstkompetenz um sich in diesem gigantischen Wandel nicht selbst zu verlieren sondern kraftvoll selbst in die Zukunft zu führen.

Herzlichen Dank für das Interview Frau Brandes. Wir freuen uns auf Ihr Referat am 14. Ostschweizer Personaltag 2018.

Patronat
Hauptsponsor