HR-Fachleute mit eidg. Fachausweis – Reform einer bereits sehr guten Ausbildung

Seit über 20 Jahren können ambitionierte Personen im Personalwesen die Ausbildung HR-Fach­mann/­-frau mit eidg. Fachausweis absolvieren. Der Fachausweis ist beliebt; vor 10 Jahren absolvierten die Berufsprüfung 800 Prüfungskandidaten. Letztes Jahr waren es schon 1‘400. Trotz dieser positiven Entwicklung wurde der Fachausweis reformiert und die neue Wegleitung vom Staatssektretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) auf 2017 in Kraft gesetzt.

Weshalb muss denn alles auf den Kopf gestellt werden? Verantwortlich dafür ist unter anderem das neue Berufsbildungsgesetz. Dieses zielt auf die Stärkung der für die Schweiz so wertvollen Berufsbildung durch diverse Massnahmen ab. Unter anderem sollen die beruflichen Handlungskompetenzen, also das, was die HR-Fachleute in ihrem Alltag beherrschen sollen, geschult und geprüft werden. Der Wissenstransfer in die Praxis steht somit im Zentrum und nicht wie bisher Detail-Kenntnisse aus den Fachgebieten.

In einer umfassenden Arbeitsfeldanalyse hat HRSE, der Schweizerische Trägerverein der HR-Ausbil­dungen, die notwendigen Fähigkeiten und Fertigkeiten von HR-Fachleuten in der Praxis ermittelt. Daraufhin wurden diese in Handlungskompetenzen überführt und in die neue Wegleitung 2017 integriert. Um gezielter auf die Bedürfnisse der Berufsgruppen einzugehen, wurden drei mögliche Vertiefungsrichtungen eingeführt. Je nach ihrer Berufserfahrung wählen die Studierenden aus folgenden drei Fachrichtungen aus: „Betriebliches Human Resource Management“, „Öffentliche Personalvermittlung und –beratung“ und „Private Personalvermittlung und –verleih“.

Der Prüfungsträger überprüft erstmals an der eidgenössischen Berufsprüfung im Herbst 2017 ob die Handlungskompetenzen erworben wurden. Die Ausbildung selbst wird nicht von HRSE sondern idealerweise von einer Schule, welche jahrelange Erfahrung in der Schulung von Kompetenzen im HR-Bereich hat, durchgeführt.

In der Ostschweiz bietet das Bildungszentrum BVS St. Gallen seit über 25 Jahren Aus- und Weiterbildungen im HR-Bereich an und hat ein Lehr-/Lern­arrange­ment zusammengestellt, welche genau auf die neue Wegleitung für HR-Fachleute abgestimmt ist. Dafür wurde ein Team aus HR-Experten rekrutiert, welches die Studierenden mit einem geeigneten Methodenmix auf die eidgenössische Berufsprüfung vorbereitet. Dabei fliessen verschiedene Dimensionen ein: die Umsetzungsfähigkeit, das Wissen und Verständnis, die Motivation und Haltung sowie die Reflexionsfähigkeit. Es geht darum, praktische Arbeitssituationen zu analysieren und erste, lösungsorientierte Massnahmen vorzuschlagen oder konkrete Aufgaben umzusetzen. Damit dies möglich ist, braucht es selbstverständlich auch weiterhin ein fundiertes, theoretisches HR-Grundlagen-Wissen. Dieses wird für alle drei Vertiefungsrichtungen im ersten Teil des Studiums gemeinsam erlangt. „Ein vertieftes Verständnis von Arbeitszeugnissen“ oder „Mitarbeitende bei der Bewältigung von Konflikten unterstützen“ sind z.B. Kompetenzen, welche von allen Fachrichtungen erwartet werden.“ erklärt Ernst Wälter, Leiter des Personalamtes St. Gallen, der als Fachvorstand der BVS die Lehrmittel für die Vertiefung „Betriebliches Human Resource Management“ ausgewählt und dabei vor allem auf die Verständlichkeit und die gute Visualisierung geschaut hat.

Im zweiten Teil des Studiums findet die Prüfungsvorbereitung und damit verbunden die Spezialisierung auf die jeweilige Fachrichtung statt. In diesen letzten fünf Monaten üben die Kandidatinnen genau das, was dann auch Inhalt der eidgenössischen Prüfung ist: sie studieren Fallstudien und bearbeiten reale Themen aus dem HR-Bereich (z.B. Rekrutieren eines Teams, Interviews durchführen, PIS-Einführen), sie analysieren konkrete alltägliche Problemsituationen aus dem Personalbereich und präsentieren Lösungsansätze, sie reflektieren sich sowie das Verhalten von Mitarbeitenden in Gesprächssituationen, beurteilen diese und diskutieren Verbesserungsmöglichkeiten.