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Interview mit Matthias Wipf

von Julia Frischknecht

Wie haben Sie Ihr erstes Geld verdient?

Das war wohl mit dem Verkauf von Pro-Juventute-Briefmarken – lustigerweise habe ich später für diese Organisation auch als Kommunikationschef gearbeitet –, dann mit Einsätzen auf dem Bauernhof meiner Grosseltern, mit leichten Dokumentationsarbeiten in Archiven und Museen. Und als Gymnasiast dann insbesondere mit Sport- und Lokaljournalismus, der nicht nur Gelderwerb, sondern vor allem auch viel Leidenschaft war.

Welches war Ihr erster Arbeitgeber, und warum haben Sie sich für ihn entschieden?

Nach dem Studium und intensiver nebenberuflicher Erfahrung im Journalismus wollte ich mal noch die «Kehrseite» erleben und habe deshalb in einer PR-Agentur und in der Unternehmenskommunikation gearbeitet. Meine wahre berufliche Leidenschaft lässt sich aber in drei Bereiche aufschlüsseln: Schreiben, Organisieren, Moderieren! Das mache ich heute als eigene kleine, aber hoffentlich feine «Kommunikations-Boutique»: erstens mit Kommunikationsberatung für Firmen, Verbände und Institutionen, und zwar vor allem in Krisensituationen, zweitens mit dem Verfassen von Publikationen bis hin zu ganzen Büchern und Firmengeschichten sowie drittens mit Moderationen von Veranstaltungen wie etwa dem Ostschweizer Personaltag.

Welche Firma, ausser Ihrer eigenen, hat für Sie die grösste Strahlkraft, das beste Image – und warum?

Je nach Gesichtspunkt sind das ganz verschiedene, aber besonders gefallen mir die «hidden champions», also kleine, wendige und innovative KMU, die in ihrer gut gewählten Nische zuweilen gar Weltmarktführer sind. Wir haben solche «hidden champions» auch bei uns in der Ostschweiz. Aber wenn ich jetzt einzelne nenne und andere nicht, komme ich natürlich in Teufels Küche (lacht).

Wie kann sich ein Arbeitgeber im digitalen Zeitalter im Wettbewerb um Fachkräfte abheben?

Dieser «war for talents» ist ja schon lange ein Thema – und wird nun einfach noch durch das Modewort Digitalisierung ergänzt. Dass es schwierig ist, gute Mitarbeitende zu finden – und dann auch längerfristig zu halten –, wissen wir alle. Wichtig ist unbestrittenermassen, selbst weiterhin junge Menschen aus- und weiterzubilden oder auch mal auf Quereinsteiger zu setzen, die ein grosses Potenzial haben. Und, einfach ausgedrückt: Es muss «sexy» sein, für eine Firma zu arbeiten. Das Arbeitsklima muss so sein, dass man sich gerne mit dem Arbeitgeber und seinen Produkten identifiziert und so auch gegen aussen ein willkommener Multiplikator ist.

Welches sind Arbeitgeberwerte, die immer bestehen und wichtig bleiben werden?

Neben den wohl bekannten und oft genannten Schlagworten scheint es mir besonders wichtig, dass sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer – und im übertragenen Sinne auch die Kunden – möglichst auf Augenhöhe begegnen. Die Leidenschaft und das gemeinsame Erreichen von Zielen, die dann auch entsprechend gefeiert werden, dünken mich ganz zentral. Und: Ein guter Vorgesetzter sollte mehr den Mut haben, sich mit «besseren» Mitarbeitenden zu umgeben und diese, trotz hierarchischer Unterschiede, auch als Sparringspartner zu sehen. En bref: weniger starre Leitbilder, mehr innovative Leidenschaft.

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