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Vier Fragen an Stefan Stahl und Marco Zbinden

von Julia Frischknecht

Welche digitalen Instrumente, Geräte und Hilfsmittel benutzen Sie in Ihrem Arbeitsalltag?

Stefan Stahl: Ich habe ein Smart Phone und einen fix installierten Computer auf einem separaten Stehpult. Von meinem Pult habe ich elektronische Geräte verbannt, um wieder vermehrt das selbständige Denken und Schreiben zu üben. In unseren Projekten nutze ich Schreibprogramme und muss ab und zu auch Fotos und Filme bearbeiten, wofür ich verschiedene Apps benutze.

Marco Zbinden: Ich nutze I-Phone und Laptop. Ob immer intelligent – im Sinne des Tagungsthemas – das sei dahingestellt. Natürlich haben die digitalen Möglichkeiten uns gerade jetzt vor einem Vollkollaps der Wirtschaft bewahrt. Für die Projektentwicklung mit Future Now sind zudem gemeinsame Dokumente in der Cloud mittlerweile zentral. Auch ich habe intensiv gezoomt in der letzten Zeit – und dabei auch neue Formen der interaktiven Zusammenarbeit entdeckt. Ausschliesslich digital zu arbeiten, verändert die Arbeit jedoch nicht nur zum Guten. Ich habe gemerkt, dass sich einerseits eine schnellere Erschlaffung einstellt (Stichwort «Zoom Fatigue») und andererseits weniger Verbindlichkeit. Irgendwie scheint mein Gehirn so programmiert, dass Face-to-Face-Gespräche nach wie vor einen höheren Realitätsgrad besitzen als virtuelle. Virtuelle Arbeit verlangt mir daher mehr Selbstdisziplin ab. Das bedeutet: Die Wahrnehmung regelmässig auf meine eigene Befindlichkeit richten und mich fragen: Tu ich gerade das, was ich tun will und soll? Wenn nicht: Justieren!

Wie kann das HR von der Digitalisierung profitieren?

Stefan Stahl: Im Bereich Human Resources ist sehr genau zu überlegen, wo genau die Digitalisierung mitspielen soll, und wo nicht. Wenn das HR dies genügend reflektiert, dann wird es auch profitieren.

Wo sehen Sie die Risiken der Digitalisierung im Personalwesen?

Stefan Stahl: Digitalisierung heisst immer in Programmen hinterlegte Regeln. Diese Regeln machen die Arbeit fast immer bequemer. Das bedeutet aber nicht automatisch besser oder gar fairer.  Ich arbeitete einmal bei einem Headhunter, da gab es für jedes Stellenprofil sogenannte „Killerkriterien“. Der Begriff war mir damals schon unsympathisch. Das Sekretariat filterte aufgrund dieser Kriterien Bewerber gnadenlos aus dem Prozess. Es war eine Zeit, in der es wenig Platz für unkonventionelle Lebensläufe gab. Ein Bewerber hatte sich auf mehr als 15 Stellen beworben, war aber wegen seines Alters immer rausgefallen. Da lud ihn der Headhunter beim 16. Mal zu einem Gespräch ein. Ob ihm das geholfen hat, weiss ich nicht. Aber für mich ist dieses Beispiel eine Ermahnung, trotz der stetig zunehmenden Macht von Algorithmen, Menschlichkeit und Empathie nicht zu vernachlässigen.

Was ist aus Ihrer Sicht eine intelligente Arbeitsteilung Mensch-Maschine?

Stefan Stahl: Wenn die Maschine nicht definiert, was Intelligenz ist.

Marco Zbinden: Intelligent fände ich, wenn die Maschinen alles übernehmen, was ich nicht mag und ich nur noch nach das tue, was ich mag. Das Problem ist: Ich habe die diffuse Angst, dass sie sich damit auf Dauer nicht begnügen würden.

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